Inklusion am Schulverbund

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b waren beeindruckt von Maximilians Selbstbewusstsein und stellten Katharina Augstein zahlreiche Fragen über die Inklusion. (Foto: Brigitte Maier)
 
Maximilian Roth hielt vor den Zehntklässlern ein Referat über sein Lieblingstier, die Katze. Mit auf dem Foto ist Katharina Augstein, Fachlehrerin für Geistigbehinderte.(Foto: Brigitte Maier)
 
 
Die Erfahrungen am Schulverbund Nellenburg mit den Inklusionsklassen ist durchweg positiv. Der Rückhalt innerhalb der Klasse ist sehr groß. (Foto: Brigitte Maier)

Inklusion am Schulverbund Nellenburg

Stockach. Der Landtag von Baden-Württemberg hat am 15. Juli 2015 die Änderung des Schulgesetzes zur Inklusion verabschiedet. Zentrales Element der Gesetzesänderung ist die Abschaffung der Pflicht zum Besuch einer Sonderschule beziehungsweise die Einführung des Elternwahlrechts. Eltern von Kindern mit einem Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot können seit dem Schuljahr 2015/2016 wählen, ob ihr Kind an einer allgemeinen Schule oder einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) lernen soll.

Am Schulverbund Nellenburg gibt es derzeit im Jahrgang 5 und im Jahrgang 7 je eine Inklusionsklasse, die von den Lehrkräften Katharina Augenstein und Susanne Lackner (Jahrgang 5) und Frau Heinemann und Carolin Derleth ( Jahrgang 7) als Tandem geleitet werden. Unterstützt werden sie dabei von den Schulbegleiterinnen Sandra Fleig, Angela Deppe und Maggie Zimmermann. Die Schüler mit unterschiedlichsten geistigen Behinderungen oder auch Lernbehinderungen besuchen diese Klassen gemeinsam mit so genannten Regelschülern.

Die Resonanz innerhalb der Inklusionsklassen ist durchweg positiv und jeder einzelne Schüler profitiert davon.Der Rückhalt innerhalb der Klasse ist groß oder, wie es eine Mitschülerin treffsicher in Worte kleidete: „Jeder ist so geboren, wie er ist, und dafür kann er nichts.“

 

Inklusion: Gemeinsam mehr lernen

Unterrichtsbesuch in der 10b am Schulverbund Nellenburg: Mentorenprojekt angestoßen

Stockach. Besuch aus dem eigenen Haus hatte die Klasse 10b des Schulverbundes Nellenburg: Die Schülerinnen und Schüler begrüßten Katharina Augenstein, Fachlehrerin für Geistigbehinderte, und einen ihrer Schüler bei sich. Sie informierte die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse, was es mit der so genannten Inklusion am Schulverbund auf sich hat.

 

Auch ohne den Begriff „Inklusion“ zu kennen, haben die Schüler des Schulverbundes seit Beginn des neuen Schuljahres bemerkt, dass es jetzt auch „ganz besondere“ Schüler im Schulgebäude am Jahnweg gibt, wie auch schon seit drei Jahren am Gebäude in der Tuttlingerstraße. Eine der fünften Klassen ist nämlich Inklusionsklasse; das bedeutet, dass Regelschüler und Schüler mit besonderem Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden. Die Klassen werden jeweils von zwei Lehrerinnen geführt, die gemeinsam für die Klassenleitung zuständig sind. Außerdem werden die Schüler zeitweise von Schulbegleiterinnen unterstützt, damit jeder, seinen Fähigkeiten entsprechend, am Schulleben und Unterricht teilnehmen kann.

 

Was Frau Augenstein über die Inklusionsklasse am Schulverbund zu erzählen hatte, war für die jungen Damen und Herren der 10b sehr interessant und sie stellten viele Fragen. Womit sie nicht gerechnet hatten, war der Umstand, dass Frau Augenstein noch einen Helfer dabei hatte: Maximilian Roth stellte sich der Klasse vor, erzählte, wie er täglich in die Schule kommt und hatte auch ein Beispiel dafür mitgebracht, was er so im gemeinsamen Unterricht in Klasse 5, z.B. Biologie, alles macht: Er hielt eigenständig ein Referat über sein Lieblingshaustier, die Katze, das er sich im Unterricht mit Hilfe erarbeitet hatte

 

Anschließend gab es noch in ungezwungener Atmosphäre weitere Informationen über die Praxis der Inklusion am Schulverbund. Die Klasse erfuhr unter anderem, dass die Schülerinnen und Schüler in den meisten Fächer gemeinsam unterrichtet werden. In Musik übe man sich derzeit beispielsweise am Mundharmonikaspielen; in Technik werken die Kinder an einem Propeller. In den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch nimmt Katharina Augenstein die drei Inklusionskinder mit in einen Differenzierungsraum, wo jedes Kind individuell nach seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert wird.

 

Die Erfahrungen, die man bisher gemacht habe, seien sehr positiv, so Katharina Augenstein. Die Inklusionskinder kämen sehr gut an der Schule zurecht und fühlten sich hier wohl. Maximilian beispielsweise betrachte die Schule längst als „seine Schule“, weshalb es ihn auch massiv störe, wenn Schüler ihren Abfall einfach achtlos fallen lassen. „Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass er Schüler darauf anspricht, dass sie das nicht machen sollen. Oder dass er sich vom Hausmeister die Müllzange holt und aufräumt.“

 

Frau Augensteins Vortrag mündete schließlich in einen konkreten Projektvorschlag: Falls Schülerinnen und Schüler des Schulverbundes Lust und Zeit haben, seien sie herzlich willkommen, die Inklusionsklasse tatkräftig zu unterstützen. Denkbar wäre beispielsweise, dass ältere Schüler den Inklusionskindern vorlesen. Es könnten sich aber auch Interessierte melden, die einen der Schüler während einer Pause nach draußen begleitet. „Ihr müsst euch nicht langfristig verpflichten oder lange im Voraus planen; wenn ihr Zeit und Lust habt, dann klopft einfach an unserem Zimmer, der ehemaligen Bücherei, und seht nach, ob es heute geht“, schloss Katharina Augenstein, die ebenfalls mit einem langen Applaus bedacht wurde. Der Mentorengedanke trägt übrigens bereits Früchte in der 10b. Es ist aber geplant, auch in den weiteren Klassen 8 bis 10 über die Inklusion zu informieren und das Mentorenprojekt vorzustellen. Brigitte Maier